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Friday, May 7, 2010

Holy Rollers


Ende des Monats kommt ein interessanter Film in die Kinos, der bereits jetzt fuer viel Diskussion sorgt. "Holy Rollers" erzaehlt die Geschichte von Drogenkurieren in den 90er Jahren. Vieles erinnert an den genialen Film "Maria Full of Grace", der von kolumbianischen Drogenkurieren erzaehlt und in Queens spielt, doch dieser Film bewegt sich in einem anderen Millieu: chassidische Juden.
"Jede Gemeinschaft hat ihre schwarzen Schafe," meint Hauptdarsteller Jesse Eisenberg, der wie viele andere Beteiligte juedisch ist, in einem Interview mit dem Forward, das naechste Woche erscheinen wird (online bereits hier).
Ein spannender Film, der Tabus bricht und gerade daher zur Normalitaet juedischen Lebens in Amerika beitraegt.

Monday, November 2, 2009

(5)770


Das juedische Jahr 5770 wurde von einigen Chabadanhaengern begeistert erwartet. Warum? Nun, sie glauben, dass dies das Jahr der Rueckkehr des Messias ist. Nein, nicht der christliche Joschuah, sondern der Rebbe, wie viele den 1994 verstorbenen Menachem Mendel Schneerson nennen, soll von den Toten auferstehen.
Gewiss, Schneerson war charismatisch und seine Bemuehungen, Juden zu ihren Wurzeln zurueck zu bringen, sind beeindruckend. Tausende von sogenannten Schluchim sind weltweit unterwegs, die Lehren des Rebbe zu verbreiten.
Der Rebbe regierte seine Bewegung von Crown Heights aus, einer Nachbarschaft in Brooklyn, in der er das Haus Eastern Parkway 770 bewohnte. Begeisterte Anhaenger des Rebben schafften Replicas dieses Gebaeudes, die sich nun auf der ganzen Welt befinden. Ein Kuenstlerpaar hat dies ausgiebig dokumentiert. Letztes Jahr war ich in Israel und besuchte Kfar Chabad, wo sich eine beeindruckende Kopie des Hauses befindet, letzten Monat konnte ich mir in LA die Kopien (LA hat gleich 2) anschauen (siehe Foto in diesem Blogeintrag). Da jeder hebraeische Buchstabe auch einen Zahlenwert hat, haben einige sogar gezaehlt, dass der Ausdruck Bajs Moschiach (hier in jiddischer Aussprache transkribiert), das Haus des Messias, den Zahlenwert 770 hat. Da dieses Jahr 5770 ist, also das Jahr, das die Hausnummer des (oftmals) kopierte Hauses beinhaltet, haben einige gleich mal ihre kabbalistischen Taschenrechner rausgeholt und Hoffnungen auf eine Rueckkehr ihres doch nicht wirklich toten Rebben verkuendet. Warten wir also mal ab.

Thursday, September 24, 2009

Latino Chassids


CNN erzaehlt die Geschichte von Marco und Jacqueline, zwei Latinos, die -- nachdem sie vermuten, dass sie Nachkommen von Anusim (oder, um den nicht ganz politisch korrekten, jedoch allgemein bekannteren Terminus zu benutzen "Marranos") sind -- zum orthodoxen Judentum konvertierten und heute in Crown Heights leben.
Eine nette Geschichte, die Ihr hier nachlesen koennt, und in einen weiteren Kontext ueber die komplexe Identitaet von Amerika steht (oder hier, Latinos in den USA).

Thursday, September 17, 2009

Rosch Haschana 5770


Es ist soweit. Morgen ist Erew Rosch Haschana und dann befinden wir uns im Jahr 5770, zumindest nach der juedischen Zeitrechnung. Und wie jedes Jahr bekomme ich auch dieses viele elektronische Postkarten. Eine Bekannte von mir hat mir einen Link zu antiken Rosch Haschana Karten geschickt, den ich mag, da ich hier gleichzeitig meine Jiddischkenntnisse testen kann (die hier abgebildete Postkarte stammt jedoch nicht aus der Sammlung).
Auch wenn Rosch Haschana in nichtjuedischen Kreisen gern als das juedische Neujahr bezeichnet wird, so muss ich hier jedoch erklaeren, dass das alles ein wenig komplizierter ist. Denn Tischrei, der Monat, der mit Rosch Haschana markiert wird, ist nicht der erste Monat des juedischen Kalendars, sondern der siebte.
Ihr kennt die alte Geschichte von zwei Juden und drei Meinungen, und so aehnlich sieht's auch mit dem Hebraeischen Kalendar aus, der mehrfach das neue Jahr markiert. Da ist beispielsweise der 1. Nissan, der erste Monat, der traditionell die Jahre der Koenigsherrschaft markiert. (Ob britische Juden dies noch beachten? Die Mehrheit ist jedoch ohne Royal Family und daher ist das eher eine biblische Tradition.) Der erste Elul hat mit dem Alter von Tieren zu tun (ebenfalls komplizierte Geschichte).
Der siebte Monat hat jedoch einen besonderen Stellenwert, da Gott ihn als Schabbat fuer die Seele bezeichnet.
Tablet hat einen guten Beitrag zu Rosch Haschana gehabt, sozusagen Juedisches Neujahr fuer Anfaenger.
Fuer Anhaenger der Chabadbewegung ist das Jahr 5770 aufgrund der Gematria (juedisch-mystischen Zahlenspielen) noch etwas besonderes (darueber schreibe ich vielleicht ein anderes Mal), und einige glauben sogar, der Messias kommt (wieder), zumindest der Messias, der den Nachnamen Schneerson hat.
Andere Chassiden haben Probleme mit Nuessen. Eine Freundin von mir beklagte sich, dass ihr jemand Nuesse zu Rosch Haschana schenkte, da das hebraeische Wort fuer Nuss den gleichen Zahlenwert wie das hebraeische Wort fuer Suende hat. Das gehoert sich in Satmarkreisen ueberhaupt nicht!
Gematria hin oder her, ich wuensche Euch allen einen guten Rutsch (ja, der Ausdruck kommt von Rosch Haschana) und bis in 5770.

Monday, September 14, 2009

Chabad Telethon


Gestern flippte ich durch das Fernsehprogramm und sah tanzende Chassiden. Was war denn das? Zurueck im Programm und ich war beim Chabad Telethon.
Ein Telethon ist ein Fundraising Marathon im Fernsehen (Television, daher, Tele-Thon), und dieser sehr amerikanische Ereignis wird jedes Jahr vor den hohen Feiertagen von Chabad in LA (wo auch sonst) durchgefuehrt.
Man bittet um kleine und grosse Spenden. Jeder Dollar hilft. Und dazu gibt es manchmal noch nette Geschenke. ("Wenn Sie 1,000 Dollar spenden, bekommen sie diesen exklusiven Rucksack mit dem tanzenden Rabbiner Logo.")
Alles erinnert ein wenig an den Shopping Kanal, aber es funktioniert. Letztes Jahr wurden ueber 8 Millionen Dollar gespendet, die Resultate von gestern sind noch nicht bekannt. Und die Spender sind nicht, ebenso wenig wie die Gaeste, ausschliesslich juedisch. Von Basketballstars bis hin zu Hollywoodsternchen finden sich illustre Gaeste auf diesen sehr, sehr amerikanischen Event.
Und das ist vielleicht das Faszinierendste, dass tanzende Chassiden eben Teil des ganz amerikanischen Lebens sind. L'chaim, to life! (So auch der Name der Telethon Website: www.tolife.com.)