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Wednesday, May 5, 2010

Worms


Worms ist eine meiner liebsten Orte in Deutschland, zumindest wenn es darum geht, juedisches Kulturerbe zu fotografieren. Der juedische Friedhof in Worms ist der aelteste in Europa -- auch wenn einige den von Prag dafuer halten -- und meistens relativ ruhig und nicht so ueberrannt mit Touristen wie der in der tschechischen Hauptstadt. Ich war fuer ueber zehn Jahren zuletzt in Worms, und schon seit laengerer Zeit spielte ich mit dem Gedanken, wieder hin zu fahren, um den Friedhof und das Raschi-Haus zu fotografieren. Doch da ich ja nur selten in Deutschland bin, und dann meistens ausgebucht, ist das leider nicht so einfach.
Doch unverhofft kommmt oft, und so "flohen" wir aus Polen Richtung Frankfurt, um dem Vulkanausbruch in Island zu trotzen und von Frankfurt einen Flug nach New York zu bekommen. (Drei Uebernachtungen und viele Besuche beim Reisebuero und Flughafen spaeter konnten wir dann auch zurueck fliegen.)
Von Frankfurt ist es ein bisschen mehr als eine Stunde mit dem Zug, und etwa 40 Minuten mit dem Taxi, nach Worms. Ein wirklich lohnenswerter Ausflug. Hier meine Fotos. Hoffe, sie gefallen.

Friday, December 4, 2009

Cultural Heritage Artists Project of the Orchard Street Shul


Am Sonntag wird in New Haven eine neue Ausstellung eroeffnet, ueber die Allison Hoffman in der heutigen Tabletausgabe berichtet; hier der Link. In der dazugehoerigen Diashow ist das 6. Bild eines von meinen drei Kunstwerken in der Show. (Die anderen beiden Teile werde ich ein anderes Mal erklaeren.)
Hier ein bisschen zur Backgroundstory. Im Sommer erfuhr ich von dem Kunstprojekt. Durch meine Arbeit zu ehemaligen juedischen Gegenden in New York hatte ich mir einen Namen gemacht, wenn es um juedisches Kulturerbe geht. Mein Interesse hat bestimmt mit meiner eigenen deutsch-juedischen Identitaet zu tun (siehe hierzu auch mein Spurensucheprojekt).
Ich traf mich mit der Projektinitiatorin Cynthia Rubin, die Kuenstler aus allen Teilen der USA einlud, Kunstwerke im Dialog mit einer alten Synagoge in New Haven zu kreieren. Die Orchard Street Shul der Beth Israel Gemeinde ist eine nicht mehr aktive Synagoge im ehemaligen Immigrantenviertel New Havens, das heute fuer seine hohe Kriminalitaetsrate beruechtigt ist. Jeder Kuenstler musste das Gotteshaus und die Nachbarschaft zumindest einmal besuchen, um fuer die Ausstellung akzeptiert zu werden.
Die Idee fuer meine "Remembrance Stones" kam mir auf der Rueckreise von New Haven nach meinen ersten Besuch. Ich hatte zunaechst die Synagoge besichtigt (Fotos findet Ihr hier) und fuhr dann mit Cynthia zum Friedhof der Beth Israel Gemeinde. Ein moderner amerikanisch-juedischer Friedhof, der ausserhalb der Stadt ist (Fotos vom Friedhof findet Ihr hier).
Auf dem Friedhof hatten viele Grabsteine Fotos von Verstorbenen. Instinktiv fotografierte ich diese Fotografien, ohne zu wissen, was ich damit machen wollte. Mich faszinierte die Idee, dass Bilder der Synagogengruender hier auf dem Friedhof verteilt sind, und da viele der Enkel und Urenkel der Gemeindemitglieder New Haven verlassen haben, wird dieser Friedhof auch selten besucht.
Im Judentum stellt man anstelle von Blumen, Steine auf Grabmale. Meine Idee war es, 18 Steine mit Fotos in der Ausstellung zu praesentieren, wobei die Zahl 18 gemaess der kabbalistischen Zahlenlehre (Gematria) fuer das Wort "Leben" steht -- und ein Friedhof ist im Hebraeischen ein "Haus des Lebens".
Viele Wort und Zahlenspiele also.
Mehr dazu im Katalog der Ausstellung, den Ihr hier sehen koennt.
Am 20.12. werde ich in New Haven ueber mein Werk reden, aber vorhier findet Ihr in dieser Blog noch mehr ueber die anderen Teile des Kunstwerkes. 2Life Magazine stellt waehrendessen auch mehrere Kuenstler des Projekts vor. Lesenswert.

Thursday, November 19, 2009

Chai, Ein Kurzfilm von Ariel Zylberstein


Der mexikanische Filmemacher Ariel Zylberstein kreierte diesen wunderbaren Kurzfilm, in dem es um mehr als nur den Umgang mit der Vergangenheit geht. Sehr, sehr sehenswert.

Friday, November 6, 2009

Das Orchard Street Shul Cultural Heritage Artist Project


In einem Monat wird in New Haven eine Gruppenausstellung von Kuenstlern aus allen Teilen der USA eroeffnet: das Orchard Street Cultural Heritage Artist Project. Ich werde in der Ausstellung drei Ausstellungsstuecke haben, von denen ich ein anderes Mal erzaehlen werde.
Das Interessante an der Ausstellung ist, abgesehen von der Kunst natuerlich, die Geschichte, die dazu gefuehrt hat. Eine Kuenstlerin aus New Haven erfuhr von der Synagoge auf der Orchard Street, die zwar unter Denkmalschutz steht, jedoch in einem desolaten Zustand ist. Sie beschloss, auf diesen Zustand aufmerksam zu machen, in dem sie die nicht mehr benutzte Synagoge in einen Kunstraum verwandelt und Kuenstler aus allen Teilen des Landes aufruft, Werke im Dialog mit dem Gebaeude zu erschaffen. Eine gute Idee, die jedoch zunaechst auf taube Ohren stiess, da der Vorstand der Gemeinde (alle weit jenseits des Rentenalters) dagegen war.
Man gab jedoch nicht auf und fand eine Kunstgalerie, die von der Idee angetan war, und via Internet fand man auch Dutzende von Kuenstlern, juedische wie nichtjuedisch, die begeistert waren.
Es gab jedoch ein paar Bedingungen, die wichtigste: Man musste die Synagoge besuchen. Von New York aus ist das kein Problem, da man in etwas mehr als einer Stunde da sein kann, aber es kamen Leute aus Kalifornien, Utah und anderen exotischen Orten der USA, was mich wirklich ueberraschte (zumal kein Geld involviert war).
In einem Land, das nur sehr wenig Geschichte hat, und wo oftmals Geschichte vergessen wird, ist dies umso erstaunlicher.
Ich war fuer das Projekt zweimal in New Haven, wo ich das erste Mal auch kurz mit meinem Bruder zusammentraf. Obwohl der zwar in New Haven wohnt, hatte er zuvor nie von der Synagoge gehoert, und da die sich in einer nicht sehr sicheren Gegend der Stadt befindet, hat er sie auch noch nicht gesehen (und wird sie vielleicht auch nie sehen). Ein paar Fotos der Synagoge koennt Ihr hier sehen (und auch erwerben).
Bei meinem ersten Besuch hatte ich eine wage Idee, was ich machen wollte, doch aenderte diese nachdem ich auch den Friedhof (Fotos hier) besuchte. Mein zweiter Besuch war den verbliebenden Gemeindemitgliedern gewidmet (Fotos hier).
Mehr davon wohl ein anderes Mal, aber falls Ihr schon neugierig seid, dann schaut mal auf der Website. Es ist wirklich eine interessante Mischung von Kuenstlern geworden und ich freue mich schon auf die Ausstellung.

Thursday, September 10, 2009

Mayer July bekommt ein zweites Leben


Vor ein paar Wochen war ich im Jewish Museum, um mir die Ausstellung "They Called Me Mayer July" anzusehen. Die Ausstellung umfasst Bilder des 1916 im Polnischen Opatow (Apt auf Jiddisch) geborenen Mayer Kirshenblatt. Apt ist eine kleinen Ortschaft unweit von Kielce, ein Schtetl, das Kirshenblatt 1934 Richtung Kanada verliess.
Wie viele Immigranten liess Kirshenblatt seine Vergangenheit hinter sich, jedoch schloss nie gaenzlich mit ihr ab. Seiner Tochter Barbara ist es zu verdanken, dass Kirshenblatt seine Kindheitserinnerungen zu Papier brachte, jedoch nicht in Form von Worten, sondern in naiven Bildern, die nicht nur in New York, sondern auch in Polen zu sehen sind. Nach einer Ausstellung in Kirshenblatts Geburtsort finden sich momentan Teile seines Werkes in Krakau, und fuer naechstes Jahre ist eine Ausstellung in Amsterdam geplant.
Fuer alle diejenigen, die keine Moeglichkeit haben, in Polen oder Holland zu sein, empfehle ich die Website des Jewish Museums, die eine wunderbar interaktive Version der Ausstellung online, die Ihr hier ausprobieren koennt. Dort findet Ihr nicht nur die Bilder, sondern auch Teile der Interviews, die Barbara mit ihrem Vater durchfuehrte. Von den vielen Interviews und Bildern gibt es auch einen Katalog, ueber den Ihr mehr hier lernen koennt.
Kirshenblatt fing erst als ueber Siebzigjaehriger an, zu malen. Mittlerweile ist er ueber 90, denkt jedoch nicht ans aufhoeren.

Und Barbara, die Ihr hier auf einem Foto mit ihrem Vater sehen koennt, hat auch immer neue Ideen. Die allerneuste: Die Ausstellung in die virtuelle Welt zu bringen. Am Sonntag wird Mayer July in der Tachles Gallery in Second Life zu sehen sein (Informationen hierzu findet Ihr hier). Falls Ihr Zeit habt, dann schaut doch vorbei. Es lohnt sich bestimmt.